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ECHA ermittelt Risiko von PVC für Gesundheit und Umwelt

Das Bild zeigt verschiedene Anwendungen für PVC wie z.B. PVC-Schläuche, PVC-Granulat, PVC-Rohre, PVC in Spielzeug. Des weiteren ist das Recyclingsymbol 3 für PVC gezeigt.
© diverse - siehe Bilder

Am 24.08.22 gibt die Europäische Chemikalien Agentur (ECHA) in Ihrem Newsletter bekannt, dass sie von der EU Kommission aufgefordert wurde das potenzielle Risiko von PVC (Polyvinylchlorid) durch die Verwendung von PVC Additiven und PVC selbst für die Gesundheit und die Umwelt zu ermitteln.

 

Die Ergebnisse der Untersuchung werden gemäß ECHA bis Mai 2023 erwartet.


In diesem Zusammenhang sollen auch Aspekte hinsichtlich einer Kreislaufwirtschaft mit betrachtet werden.

Die ECHA gibt an:
„Wir werden auch die Auswirkungen einer möglichen Beschränkung auf die Gesellschaft und die Notwendigkeit EU-weiter Maßnahmen über bereits bestehende Maßnahmen hinaus untersuchen.“...
 

Beschränkung gemäß Anhang XVII der REACH-Verordnung bedeutet:

  

Die Herstellung, Vermarktung oder Verwendung von Stoffen wird beschränkt oder gar verboten. D.h. die Stoffe als solche oder auch als Stoffe in Gemischen dürfen nur noch für ganz bestimmte Verwendungen genutzt werden. Als Beispiel sei hier Nickel angeführt, das einer Beschränkung zur Nutzung in Schmuck unterliegt. Hier soll vermieden werden, dass der als Allergen bekannte Stoff nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen mit der Haut in Kontakt kommen darf.

  

PVC zählt zu einem der kostengünstigsten Kunststoffe. Es befindet sich überall um uns herum. Die Liste der Verwendungen ist immens lang (s. unten). Es wird unterschieden zwischen Hart- und Weich-PVC. Letzterem werden sogenannte Weichmacher als Additiv zugesetzt.

  

Nach Polyethylen (PE; CAS 9002-88-4) und Polypropylen (PP; CAS 9003-07-0) ist PVC auf Platz drei der am meisten hergestellten Kunststoffe.  Polyvinylchlorid (PVC; CAS 9002-86-2), ein thermoplastisches Polymer, wird durch Kettenpolymerisation aus dem Monomer Vinylchlorid hergestellt.
 

Gemäß dem Marktforschungsinstitut Ceresana wird die weltweite Nachfrage nach PVC bis zum Jahr 2030 auf

 57 Millionen Tonnen/Jahr

 

steigen (Marktstudie Polyvinylchlorid vom 13.10.2021).

PVC ist umstritten; neben den großen Müllbergen an Hart-PVC werden die dem Weich-PVC zugesetzten Weichmacher bereits in Boden, Luft und Wasser nachgewiesen (Umwelt-Bundesamt). Diese Additive sind es, die eine nähere Untersuchung der Auswirkungen von PVC auf die Gesundheit und die Umwelt notwendig machen.

Additive sind Zusatzstoffe, die den Kunststoffen beigefügt werden, um bestimmte Produkteigenschaften einzustellen. Nachfolgend einige Beispiele:

  • Temperaturbeständigkeit
  • Flammschutz
  • Chemikalien-Beständigkeit
  • Alterungsschutz
  • UV-Beständigkeit u.v.m.

Gemäß einer Ceresana Studie über Weichmacher vom Juni 2022 wurden 2021 weltweit allein rund

 

7,7 Millionen Tonnen Weichmacher

 gebraucht.

  

Diese verteilen sich wie folgt:

  •  Nicht-Phthalate (20 %),
  • DEHP (36 %),
  • DINP/DIDP (31 %) und
  • sonstige Phthalate (13 %).

Der größte Teil der verwendeten Weichmacher entfällt auf PVC. Das Weich PVC besteht bis zur Hälfte aus Weichmachern. Das Hauptproblem ist, dass die Phthalate nicht fest gebunden sind. Sie können daher ausdünsten, auswaschen oder sie verteilen sich durch Abrieb.  


Die größten Endnutzer des Weich-PVC sind nach Angaben der „Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e. V.“ (AGPU) folgende:  

  • Bauindustrie (Kabel, Schläuche, Fußbodenbeläge, Folien, Tapeten)
  • Elektro- und Kabelindustrie (Ummantelung von Kabeln und Leitungen)
  • Automobilbau (Unterbodenschutz, Innenraumverkleidungen, Dichtungen)
  • Sport- und Freizeitartikel

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